Rolls-Royce öffnet mit Project Nightingale ein neues Kapitel seines Coachbuild-Programms. Der streng limitierte Zweisitzer trägt seinen Namen nach Le Rossignol, dem Haus der Designer nahe Henry Royces Winterdomizil an der Côte d’Azur.

Project Nightingale: Ein elektrischer Roadster für die große Geste
Project Nightingale ist kein gewöhnliches Cabriolet, sondern ein Statement auf Rädern. Mit 5,76 Metern Länge, offenem Zweisitzer-Konzept und vollelektrischem Antrieb verbindet der Wagen fast lautloses Reisen unter freiem Himmel mit dem Glamour der 1920er- und 1930er-Jahre.
Nur 100 Exemplare sollen entstehen, jedes von Hand im Rolls-Royce Stammwerk in Goodwood.
Adressiert ist Project Nightingale an Kunden, die den Entstehungsprozess ihres Automobils bewusst miterleben wollen. Über mehrere Jahre begleitet Rolls-Royce sie mit exklusiven Treffen, privaten Veranstaltungen und kuratierten Einblicken in Design und Technik.

Stromlinie statt Ornament: die Formensprache des Project Nightingale
Gestalterisch folgt Project Nightingale der Stromlinien-Moderne der späten Art-déco-Ära. Statt Schmuck und Überfluss setzt Rolls-Royce auf geschlossene Flächen, präzise Linien und monolithische Körper, die ihre Wirkung aus Proportion und Oberfläche beziehen.
Als historische Referenz dienen die experimentellen Rolls-Royce Fahrzeuge der 1920er-Jahre, allen voran die EX-Modelle mit ihren roten Emblemen.
Diese EX-Fahrzeuge zählen bis heute zu den seltensten und begehrtesten Automobilen der Markengeschichte.
Besonders wichtig waren die Prototypen 16EX und 17EX von 1928. Henry Royce kombinierte damals leistungsstarke Phantom Chassis mit leichten Aluminiumkarosserien, um neue Höchstgeschwindigkeiten für die Marke zu erreichen. Mehr als 145 km/h, eine torpedoförmige Silhouette, lange Haube und tief liegende Kabine machten diese Fahrzeuge zu frühen Symbolen einer sportlicheren Rolls-Royce Ästhetik.
Aus dieser Historie leitet Rolls-Royce drei Gestaltungsprinzipien ab: die Bewegung „von aufrecht zu fließend“, den zentralen Rumpf mit durchgehender Linie von der Front bis zum Heck und die sogenannten „Fliegenden Flügel“, skulpturale Flächen, die Spannung erzeugen und den Blick nach hinten ziehen. So entsteht ein Entwurf, der Kennern der Marke vertraut vorkommt, aber bewusst nicht nostalgisch wirkt.

Die Front: viel Fläche, wenig Lärm – Project Nightingale
Der elektrische Antrieb prägt die Front stärker als jedes einzelne Stilmerkmal. Weil große Lufteinlässe entfallen, kann Rolls-Royce die Flächen zwischen Kotflügeln und Pantheon Kühlergrill nahezu ununterbrochen modellieren.

Der Grill selbst bleibt Zentrum der Inszenierung. Fast einen Meter breit, mit 24 tief eingelassenen Adern und einer Einfassung, die wie aus massivem Aluminium gefräst wirkt, interpretiert er eine der bekanntesten Luxusgrafiken der Autowelt neu. Die Spirit of Ecstasy sitzt dezent im Grill; ihre Linien laufen nach hinten in die Motorhaube aus.
Darunter folgt eine klar strukturierte Zone: erst im 45-Grad-Winkel geöffnet, dann senkrecht abfallend. Eine nach vorn gezogene Carbon-Schürze mit Chromrahmen lässt den Grill wie auf einem Sockel stehen – ein Motiv, das an geometrische Art-déco-Wolkenkratzer erinnert.
Die schlanken, vertikalen Scheinwerfer sitzen weit außen an den Kotflügeln. Polierte Edelstahlbänder nehmen dieses Motiv auf und ziehen sich bis zu den Rückleuchten über die gesamte Fahrzeuglänge.

Im Profil: mehr Yacht als Roadster
In der Seitenansicht zeigt Project Nightingale seine eigentliche Dramaturgie. Die lange Motorhaube trifft auf eine stark geneigte Windschutzscheibe, eingefasst von Edelstahlleisten und einem feinen Dreiecksfenster, das an das Phantom Drophead Coupé erinnert. Dahinter sitzt die kompakte Zweierkabine, bevor das Heck flach ausläuft.
Das Verhältnis ist ungewöhnlich: viel Haube, viel Heck, dazwischen eine intime Kabine.
Eine durchgehende Rumpflinie, inspiriert von der Trennlinie einer Yacht, beginnt an den vorderen Kotflügeln und läuft bis zur Heckkante. Die hoch positionierten Kopfstützen lassen Fahrer und Beifahrer tief im Fahrzeug sitzen. Dahinter steigt eine geschwungene Struktur auf, die wie ein umgeschlagener Kragen wirkt, Schutz bietet und zugleich die Form weiterführt.
Unterhalb betont eine negativ geformte Fläche den zentralen Rumpf. Ein massiver Carbon-Schweller verweist leise auf klassische Rolls-Royce Trittbretter, ein tieferes Edelstahlband hinter der Hinterradmitte auf die Gischt einer Segelyacht.
Die Flächen sollen wirken, als seien sie aus einem Block gearbeitet. Türgriffe mit verdeckter Verriegelung und dezenter Kontrollleuchte vermeiden optische Unruhe. Das Badge of Honour erscheint als Edelstahl-Monogramm mit doppeltem R auf den vorderen Kotflügeln und der Gepäckraumhaube.

Für Bewegung im Stand sorgen die 24-Zoll-Räder, die größten, die je an einem Rolls-Royce montiert wurden. Ihr von Yachtpropellern inspiriertes Design und fein maschinierte Streifen lassen die Speichen auch im Stillstand rotieren; Aluminiumflocken im schwarzen Lack setzen dazu ein zurückhaltendes Funkeln.

Am Heck wölbt sich die Karosserie kraftvoll über die hinteren Radkästen, bleibt darüber aber auffallend horizontal. Zwei schmale Rückleuchten schneiden fast rechtwinklig nach unten, die seitlich öffnende Heckklappe setzt den Auftritt bewusst in Szene und erinnert in ihrer Bewegung an ein Piano.
Eine längs verlaufende Bremsleuchte in der Mitte greift die Geschwindigkeitsstreifen der Stromlinien-Moderne auf. Die Chromumrandung des Nummernschilds sitzt vertieft in der unteren Heckpartie und wirkt beinahe wie eine präzise gefasste Uhrenlünette.
Der Unterboden folgt derselben Logik. Weil der Elektroantrieb keine Abgasendrohre braucht, kann der Heckdiffusor als einteiliges Carbon-Bauteil ausgeführt werden. Das sogenannte Aero Afterdeck soll Stabilität bei hohem Tempo liefern, ohne die Silhouette durch einen Spoiler zu stören.
Offen fahren, leise reisen
Mit geschlossenem Verdeck wirkt Project Nightingale fast wie ein Coupé. Ein schalldämmender Materialmix aus Kaschmir, Stoff und Hochleistungskompositen soll den Innenraum besonders ruhig halten. Gleichzeitig lässt Rolls-Royce bewusst jene Geräusche zu, die zum Erlebnis passen – etwa Regentropfen auf dem Stoffverdeck.

Der fast lautlose Elektroantrieb verschiebt die Wahrnehmung. Wo sonst Motor und Wind dominieren, bleiben Wellen, Bäume, Landschaft und Vogelgesang. Genau diese Analogie zum Reisen auf einer Segelyacht spielte bei der Entwicklung eine zentrale Rolle.
Innenraum: ein Kokon für zwei
Die Stille lieferte auch die Idee für das Interieur. Bei einer frühen Prototypenfahrt fiel den Designern Vogelgesang besonders deutlich auf. Aus Aufnahmen von Nachtigallen entwickelten sie ein Schallwellenmuster, das im Innenraum sichtbar wird. Daraus entstand die Starlight Breeze Suite: 10.500 einzelne Lichtpunkte in drei Größen, angeordnet wie eine fließende Konstellation. Von den Türen aus umhüllt das Licht Fahrer und Beifahrer und übersetzt die analysierten Schallwellen der Nachtigall in eine visuelle Signatur.

Eingebettet ist die Beleuchtung in eine skulpturale Horseshoe-Architektur, die sich hinter den Sitzen erhebt und die Passagiere einrahmt. Erhabenes Leder an den Türen greift die Form eines fein gearbeiteten Sattels auf und läuft in eine zweiteilige, lederbezogene Armlehne weiter.
Beim Öffnen der Tür fährt diese Armlehne zurück und gibt den Spirit of Ecstasy Drehregler frei. Geriffeltes Aluminium, facettiertes und sandgestrahltes Metall sowie auf fünf reduzierte Bedienelemente sollen den Innenraum technisch wirken lassen, ohne seine handwerkliche Anmutung zu verlieren. Auf Knopfdruck öffnet sich zusätzlich ein verborgenes Fach; gefräste Getränkehalter und Stauraum hinter den Sitzen sollen den Langstreckencharakter unterstreichen.
Bespoke: 100 Autos, 100 Geschichten
Für Project Nightingale hat Rolls-Royce eigene Farben, Materialien und Ausstattungsdetails entwickelt, die ausschließlich dieser Coachbuild Collection vorbehalten sind.

Jedes der 100 Fahrzeuge entsteht eng mit seinem Auftraggeber und soll dessen Geschmack, Charakter und Vision spiegeln.
Farbe mit Geschichte: die Hommage an 17EX
Das präsentierte Fahrzeug zeigt, wie frei Rolls-Royce diese Idee interpretiert. Die Lackierung erinnert an den 17EX von 1928, ohne ihn zu kopieren. Ein heller, satter Blauton trägt feine rote Sprenkel, die erst im Lichtwechsel sichtbar werden – ein diskreter Verweis auf die roten Embleme der EX-Modelle und auf den Status des Nightingale als Serienkonzept. Dazu kommt ein silberfarbenes Stoffverdeck.
Auch der Innenraum zitiert die Côte d’Azur: Charles Blue, Grace White, dunkle Blaueinsätze und Akzente in Peony Pink erzeugen eine helle, mediterrane Stimmung. Offenporiges Ebenholz in V-Form lenkt den Blick nach oben – passend zu einem Auto, das den Himmel ausdrücklich zum Teil des Erlebnisses macht.

Elektrisch, aber noch ohne technische Eckdaten
Fest steht: Project Nightingale fährt vollelektrisch. Rolls-Royce sieht darin nicht nur einen Antrieb, sondern ein Mittel, das eigene Markenversprechen von müheloser Kraft und Ruhe weiterzuschärfen. Technische Details will die Marke im Rahmen des globalen Test- und Entwicklungsprogramms nachreichen.
Erhältlich ist Project Nightingale ausschließlich auf Einladung für Kunden mit besonderer Affinität zum Rolls-Royce Design.
Mit Project Nightingale positioniert Rolls-Royce die Coachbuild Collection als neue Spitze seiner Designarbeit. Der Wagen verbindet Henry Royces Experimentiergeist, Art-déco-Glamour und elektrisches Reisen zu einem bewusst exklusiven Automobil. Weitere Informationen zu Technik, Fahrzeug und Kundenerlebnissen folgen während der Erprobung. Die Auslieferung der 100 Exemplare soll 2028 beginnen.
Fazit: Project Nightingale wirkt wie ein Versuch, das klassische Rolls-Royce Versprechen in die elektrische Zukunft zu übersetzen: nicht lauter, schneller oder aggressiver, sondern leiser, glatter und persönlicher. Ob daraus mehr wird als ein spektakuläres Designversprechen, zeigen die kommenden technischen Details. Schon jetzt aber macht der Coachbuild deutlich, wohin Rolls-Royce seine exklusivsten Automobile entwickeln will.

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